Wenn alte Gefühle wiederkommen – Stefanie Federspiel

28. September 2026

Wenn alte Gefühle wiederkommen – Stefanie Federspiel

28. September 2026

Daniela Landgraf

Was bleibt ...

 

Liebe Steffi,

du suchst immer noch ein bisschen nach den richtigen Worten für dieses Gespräch. Vielleicht auch deshalb, weil so vieles darin steckte. Es hat Spaß gemacht, es war interessant, überraschend und an manchen Stellen so dicht, dass du selbst kurz deinen Faden verloren hast. Daniela hat erzählt, weitergedacht, neue Türen aufgemacht und du musstest ein paarmal neu sortieren, wo du eigentlich gerade hinwolltest. Aber vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum du diesen Podcast machst. Nicht jedes Gespräch muss sich sauber an einen Plan halten. Manchmal entsteht das Spannendste genau dort, wo man ihn verlässt.

Daniela ist eine dieser Frauen, bei denen man irgendwann merkt, wie viel Leben in einer einzigen Geschichte stecken kann. Sie musste vieles erleben, vieles aushalten und vieles verändern, um heute an dem Punkt zu sein, an dem sie steht. Ihr habt über Vergangenheit gesprochen, über Veränderungen und darüber, dass ein Neuanfang selten einfach nur ein klarer Schnitt ist. Manchmal braucht es mehrere Wendepunkte. Vielleicht sogar sehr viele. Denn nur weil man eine Entscheidung getroffen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass damit alles abgeschlossen ist.

Ihr habt über dieses kleine Wort „muss“ gesprochen, das so selbstverständlich in unserem Alltag steckt und trotzdem unglaublich viel Druck auslösen kann. Ihr habt über Burnout und Depressionen gesprochen und darüber, wie schnell ein Mensch irgendwann nur noch funktioniert. Und während Daniela erzählt hat, ist dir wieder bewusst geworden, wie viele besondere Frauen du inzwischen durch diesen Podcast kennenlernen durftest. Frauen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, aber immer wieder mit diesem einen gemeinsamen Punkt: Irgendwann kam der Moment, an dem etwas nicht mehr so weitergehen konnte wie bisher.

Daniela hat dich besonders damit beeindruckt, wie viel sie in ihrem Leben gelernt, ausprobiert und sich erarbeitet hat. Als sie anfing aufzuzählen, welche Ausbildungen und Schulungen sie gemacht hat, konntest du irgendwann nur noch lachen und sie fragen, was sie eigentlich noch nicht gemacht hat. Und genau dieses gemeinsame Lachen hat gutgetan. Denn hinter all diesen Ausbildungen steckt kein Lebenslauf, den man einfach abhakt, sondern eine Frau, die offensichtlich immer wieder wissen wollte, was noch möglich ist und wie sie das Gelernte an andere Menschen weitergeben kann.

Heute arbeitet Daniela therapeutisch, unter anderem mit Pferden. Sie lebt mit Tourette, hat einen liebevollen Mann an ihrer Seite und wohnt seit rund zweieinhalb Jahren im Camper auf einem Hof. Sie steht auf Bühnen, spricht offen über ihre Erfahrungen und versucht mit dem, was sie gelernt und selbst erlebt hat, anderen Menschen neue Sichtweisen zu zeigen. Sie schreibt Bücher und arbeitet mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen. Und wahrscheinlich war es genau diese Offenheit, die dich so fasziniert hat. Sie spricht über ihre Vergangenheit, ohne sich darin zu verstecken, und gleichzeitig über ihre Zukunft, ohne so zu tun, als hätte sie auf alles bereits eine Antwort.

Während des Gesprächs hat sie dich an einige deiner eigenen Themen erinnert. An Dinge, von denen du eigentlich längst weißt, dass du sie angehen solltest, wenn du das erreichen möchtest, was du dir vorgenommen hast. Ein Satz ist besonders hängen geblieben: „Ich habe alle Visionen ermöglicht, sie dennoch von mir weggeschoben und verloren.“

Dieser Satz hat etwas mit dir gemacht.

Denn vielleicht passiert genau das viel häufiger, als wir denken. Wir wünschen uns etwas, arbeiten darauf hin, bekommen irgendwann sogar die Möglichkeit dazu und schaffen es trotzdem, genau das wieder von uns wegzuschieben. Aus Angst. Aus Gewohnheit. Weil plötzlich Zweifel auftauchen. Weil das Bekannte trotz allem einfacher erscheint als das Neue. Und wenn du ehrlich bist, kennst auch du solche Momente.

Vielleicht war Daniela deshalb heute nicht einfach nur ein weiterer Gast. Sie hat dir auf ihre Art einen Spiegel hingehalten. Nicht unangenehm und nicht belehrend, sondern einfach dadurch, dass sie so offen erzählt hat, was sie erlebt, verloren, verändert und neu aufgebaut hat.

Und vielleicht liegt genau darin wieder eines dieser kleinen Geschenke dieses Podcasts. Du lädst Menschen zu dir ein, um ihre Geschichte zu hören, und gehst danach selbst mit neuen Gedanken nach Hause.

Es freut mich, dass du Daniela kennenlernen durftest. Dass du ihre Sicht auf Veränderung, Neuanfang und das eigene Leben hören konntest. Und wer weiß, vielleicht liegt irgendwann tatsächlich eines ihrer Bücher neben dir und erinnert dich wieder an diesen Nachmittag.

Vor allem aber hoffe ich, dass du einen Gedanken aus diesem Gespräch nicht einfach wieder zur Seite schiebst:

Wenn du weißt, was du möchtest, dann hör auf, deine eigenen Visionen von dir wegzuschieben.

Deine Steffi